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Stadtentwicklung

World Urban Forum

Derzeit findet das World Urban Forum in Neapel statt. Bis Donnerstag werden die rund 3000 Teilnehmer u.a. über Stadt- und Wassermanagement, Wohnungsbau, Stadtplanung und auch den Klimawandel sprechen (siehe Programm). Vor allem die Stadtentwicklung in armen und Entwicklungsländern wird zukünftig im Zentrum stehen, denn dort steigen die Bevölkerungszahlen in urbanen Regionen seit Jahrzehnten schon so stark an wie in keiner anderen Gegend der Welt. Allein die zehn größten Städte der Welt zählen bereits jeweils über 14 Millionen Einwohner. Unter diesen „Zehn Großen“ befinden sich drei Großstädte aus Indien (Neu-Delhi, Mumbai und Kalkutta) (Daten von 2011, weltbevoelkerung.de).

Der Klimawandel wird zukünftig noch stärker die Stadtentwicklung beeinflussen. Fast alle Millionenstädte befinden sich in gefährdeten Regionen, d.h. am Meer, an großen Flüssen und/oder an Gebirgshängen. Durch die Bebauung von ufer- und küstennahen Flächen kann das Hochwasser nicht mehr im Boden versickern, sondern zerstört nun Hab und Gut des Menschen. Der so genannte Urban Heat Island Effect tritt in fast allen Millionenstädten auf und sorgt für eine erheblich höhere Temperatur in der Stadt als in den ländlichen Regionen (siehe epa.gov). Wenn es gleichzeitig weniger Grünflächen, kein funktionierendes Wassermanagement sowie keine günstigen, öffentlichen und umweltschonenden Nahverkehrsmittel gibt, die die Menschen tatsächlich nutzen, wird der Urban Heat Island Effect verstärkt. Die Einwohner nutzen bei extremer Hitze mehr Klimaanlagen, verschmutzen durch die Benutzung des jeweils eigenen Autos die Luft stärker und verbrauchen so mehr Energie. Die globale Erwärmung wird verstärkt. Schon so tragen Städte zum Klimawandel bei (siehe epa.gov).

Außerdem müssen Städte mit einem Zustrom von Migranten vom Land und damit mit einem Wachstum der Slums rechnen. Durch die Zunahme von Wetterextremen, Dürren und schweren Überschwemmungen wird die Lebensgrundlage von Landwirten und ihren Helfern gefährdet. Bereits in Nepal zeigte sich eine zunehmende Abwanderung vom Land. Männer versuchten in urbanen Regionen neue Verdienstmöglichkeiten zu finden. (siehe Bartlett et al., 2010). Jedoch fehlen in den Städten oft Arbeitsmöglichkeiten, Infrastruktur sowie Wohnraum, weil sie  oft nicht im Gleichschritt auf das schnelle Wachstum der Einwohnerzahlen reagieren können (wenn überhaupt). Das Problem ist natürlich auch, woher die finanziellen Ressourcen für eine Anpassung stammen sollen.

Auch viele Mädchen in Mumbai stammen ursprünglich aus nepalesischen Dörfern. Ihre verarmten Eltern schickten sie oft aus Verzweiflung nach Indien um dort als Prostituierte für die Familie Geld zu verdienen (Bartlett, 2008).

Diese Beispiele zeigen, meiner Meinung nach, bereits, dass Stadtentwicklung für die Zukunft bereits im Dorf ansetzen muss. Wenn eine rapide Urbanisierung abgeschwächt oder verhindert werden soll, dann müssen Lebens- und Arbeitsbedingungen auf dem Land verbessert werden. Außerdem muss Stadtplanung interdisziplinär geplant werden, wofür vor allem Zeit zur Verfügung stehen muss (weitere Informationen „Megacities without slums“).

Außerdem können Lösungen für eine Anpassung an den Klimawandel und die Durchführung einer nachhaltigen Stadtentwicklung kaum global entwickelt werden. In vielen Städten müssen lokale Begebenheiten beachtet werden, die über die geografische Lage hinausgehen. Unter anderem spielen auch eine Rolle:

– Bevölkerungszusammensetzungen, hinsichtlich

  • ethnischen Gruppen,
  • verschiedenen Kulturen,
  • Religionsgruppen und
  • Altersstrukturen (und damit einhergehend bestimmten Rollenerwartungen),

– geschichtliche Entwicklungen innerhalb der Stadt,

– Konflikte und Politik.

Das World Urban Forum kann eine Plattform bieten, auf der unterschiedliche Themen diskutiert werden. Eine Lösung wird dort wohl kaum gefunden werden.

Was geschaffen werden könnte, ist ein internationales Informationsportal, in dem sich die jeweiligen Akteure über ihre Aktionen informieren und gleichzeitig regelmäßige Erfolge und Misserfolge dokumentieren und reflektieren. Darauf aufbauend könnte jeder für seine Stadt geeignete Methoden der anderen an die lokalen Begebenheiten anpassen. So könnten Stadtverantwortliche und –engagierte voneinander lernen und gemeinsam aber doch individuell für ihre Stadt Lösungsmöglichkeiten finden. Aber vielleicht gibt es so etwas ja schon?

(Aha)

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