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Klimawandel

Klima wandel(t) Werte – Teil 1

Umweltflüchtlingen ergeht es teilweise wie dem Klimawandel –  von einigen werden sie anerkannt, dass es sie gibt, von anderen nicht. Während beim Thema Klimawandel zumindest unter den Naturwissenschaftlern Einigkeit besteht, dass es ihn gibt, gibt es keinen Einklang zum Klimawandel unter jenen, die nicht naturwissenschaftlich mit dem Thema zu tun haben.

Wie Andrew J. Hoffman eindrucksvoll in seinem Artikel „Climate Science as Culture War“ bewies, müssen Naturwissenschaften und Sozialwissenschaften enger zusammenarbeiten, damit das Thema „vom Menschen verursachter Klimawandel und damit verbundene zukünftige Anpassungsstrategien“ angenommen wird. Eine einvernehmliche Lösung, wie wir zukünftig mit dem Klimawandel umgehen bzw. unser Leben ändern, muss gefunden werden, mit der sich jeder identifizieren kann. Diese Identifikation mit den nötigen Veränderungen ist besonders wichtig, da sie oft mit einem Verhaltens- und Wertewandel zusammenhängt. Ansonsten werden Lösungsvorschläge nur kurzfristig umgesetzt werden und geraten schnell in Vergessenheit. Die neun verschiedenen Techniken, die bei solch einer Lösungsdebatte angewandt werden sollen (laut Andrew J. Hoffmann, 2012), sind unter anderem:

  • die Berücksichtigung der kulturellen Normen einer Gemeinschaft,
  • die Ansprache verschiedener Bevölkerungsgruppen mit der dafür passenden Sprache,
  • die Nutzung aktueller Naturphänomene in der Region um damit eine Verbindung zum Klimawandel herzustellen und
  • die Vermittlung von Verantwortung für unsere Umwelt.

Vor allem bei dem letzten Punkt stellte ich mir folgende Fragen:

  1. Sind Länder, in denen bereits bei der Mehrheit der Bevölkerung ein Bewusstsein für die Natur verankert ist, proaktiver bei der Entwicklung von Adaptionsstrategien gegen den Klimawandel als andere?
  2. Und wie kann man dieses Bewusstsein erkennen?
  3. Gibt es dann zwischen dem Bewusstsein für den Klimawandel und der Anerkennung von Umweltflüchtlingen eine direkte Verbindung?

Gibt es also einen Zusammenhang zwischen Umweltbewusstsein, Adaptionsstrategien und der möglichen Anerkennung von Umweltflüchtlingen?

Bevor ich zur ersten und dritten Frage komme, widme ich mich in diesem Artikel zunächst der zweiten:

Woran könnte man Umweltbewusstsein messen?

Ein Indikator könnte das Recycling sein. In Europa liegen Belgien, die Niederlande und Deutschland bei der stofflichen Verwertung (in Prozent) auf den vordersten Plätzen (siehe euractiv.de). Bei dieser Bilanz wird jedoch nicht zwischen Industrie- und Haushaltsmüll unterschieden. In nationalen Statistiken wird der jeweilige Müllanteil aufgesplittet. Außerdem werden, zum Beispiel in Deutschland, auch die Wiederverwertungsraten der einzelnen Müllkategorien angegeben. 97% der Gesamtkunststoffabfälle in Deutschland wurden 2009 noch einmal benutzt, wobei davon über 50% zur Energiegewinnung genutzt, also verbrannt wurden und nur 1% als Rohstoffe wiederverwertet wurden (siehe bfr.bund.de).

Diese Daten sagen jedoch noch nichts über das Umweltbewusstsein in der Bevölkerung aus. Hier kommt es auch darauf an, wie gut sich jeder selbst mit dem Recycling auskennt. Eine Studie von Eurobarometer von 2011 zeigt, dass sich Deutsche am besten bei der Mülltrennung auskennen.

Für Mülltrennung und ein stärkeres Umweltbewusstsein müssen sich vor allem Politik und Wirtschaft engagieren.

Um Kunden zur Wiederverwendung von Plastiktüten zu animieren, führte (zum Beispiel) Sainsbury’s in Großbritannien die „Reuse Bags“-Policy ein: Jeder, der eine eigene Tüte zum Einkaufen mitnahm und darin seine Güter verstaute, konnte Punkte für seine Nectar-Bonus-Card sammeln.

Ich selbst kann mich noch an Schulaktionen (in Deutschland) erinnern. Über mehrere Wochen hinweg sammelten wir Altpapier, Plastik und Glas, welches wir dann zur Sammelstelle brachten und so Geld für unsere Schulfeste verdienten.

Diese zwei Beispiele verweisen darauf, dass die Bevölkerung selbst einen direkten Nutzen aus ihrem Engagement ziehen sollte. Wenn sie, zumindest am Anfang, selbst keinen unmittelbaren Vorteil erfahren, werden sich Aktivitäten für den Umweltschutz langfristig nicht durchsetzen. Für die Wirtschaft ergibt sich nicht nur wie bei Sainsbury’s ein Image-Vorteil: Durch das Recycling selbst werden Arbeitsplätze geschaffen und oft wichtige Ressourcen gespart. Die Wiederverwertung von Altkleidern erspart häufig die Neuherstellung von Baumwolle (welche hunderte Liter Wasser beansprucht) und schafft außerdem Arbeitsplätze (siehe ufh.at).

Ein zweiter Indikator könnte die Nutzung der Wasserressourcen und die Verfügbarkeit bzw. Nutzung von Wasserkläranlagen sein. In Kläranlagen wird gebrauchtes Wasser gereinigt und danach in natürliche Gewässer geleitet. Das gereinigte Wasser wird damit zwar kein Trinkwasser, wird jedoch dem natürlichen Kreislauf wieder zugefügt und kann so später wieder Trinkwasser werden. Außerdem wird durch die Behandlung des Schlamms, der bei der Klärung übrig bleibt, Energie gewonnen. (siehe klaerwerk-online.de)

Vor allem in Zukunft wird die Ressource Wasser knapp werden, wenn sie nicht effektiv und den lokalen Bedingungen angepasst genutzt wird. Wassermanagement zwischen Kulturen und Staaten, die sich Flussläufe, Gletscher, Seen oder Meere teilen, wird essentiell sein, um Konflikte zu verhindern (siehe Kommentar vom 18. August).

Ein dritter Indikator könnte die Existenz und der Erfolg Grüner Themen und Parteien im Land sein. Vor allem in Japan zeigte sich, dass nach dem Tsunami von 2011 mehr Menschen an Umweltthemen interessiert sind. Sie hatten selbst erfahren, welchen Einfluss Naturgewalten auf ihr Leben haben können. Seit Juli 2012 existiert nun erneut eine Grüne Partei mit bereits 1000 Mitgliedern. Eines ihrer Vorbilder war die Grüne Partei in Deutschland (siehe Japan Daily Press, Das Handelsblatt). In Deutschland sorgten der Tsunami und der folgende Ausfall von Atomreaktoren in Japan für eine Protestwelle gegen Atomkraft und für eine Kehrtwende der Energiepolitik der Bundesregierung (siehe Das Handelsblatt). Während zuvor Atomreaktoren noch als wichtige Säule der deutschen Energieversorgung galten, will Deutschland nun den Atomausstieg innerhalb der nächsten 10 Jahre schaffen (Hintergründe auf Süddeutsche.de).

Die erwähnten drei Indikatoren sind nur Beispiele und unterliegen dem Einfluss weiterer Faktoren. Zu diesen Faktoren gehören: Alter, Bildungsstand, Erfahrung, Geschlecht, kulturelle Normen, Motivation, Emotion, usw. Der Artikel „Mind the Gap: Why do people act environmentally and what re the barriers to pro-environmental behavior?“ (2002) von Anja Kollmuss und Julian Agyeman zeigt, welche Wirkung verschiedene weitere Faktoren auf das Umweltverhalten haben. Die Wahrnehmung, dass Klimawandel eine Gefahr für das eigene Leben darstellen kann, spielt auch eine Rolle bei der Umsetzung von Adaptionsstrategien, wie O’Connor et al. bereits 1999 feststellten.

Außerdem muss noch betrachtet werden, ob größeres Umweltbewusstsein tatsächlich zu Verhaltensänderungen führt. Auf den Fiji-Inseln werden Adaptionsstrategien bereits aktiv von der Tourismusbranche umgesetzt, jedoch nicht aufgrund des Umweltbewusstseins sondern um die Kosten zu senken (Becken, 2005).

Eine Studie von Anable et al. (2006) untersuchte den möglichen Zusammenhang von Transportgewohnheiten der Menschen in Großbritannien mit dem Bewusstsein, dass es den Klimawandel gibt. Eine Schlussfolgerung war, dass die Verbindung zwischen diesen beiden Komponenten nur sehr schwach ist.

Zukünftig müsste in Ländern untersucht werden, ob das Auftreten von bestimmten Faktoren, wie zum Beispiel Recycling, Grüne Parteien und Abwasseranlagen zu einem stärkeren Umweltbewusstsein führt und damit zu einem proaktiveren Vorgehen gegen den Klimawandel.

Und schon bin ich bei der ersten Frage:

Sind Länder, in denen bereits bei der Mehrheit der Bevölkerung ein Bewusstsein für die Natur verankert ist, proaktiver bei der Entwicklung von Adaptionsstrategien gegen den Klimawandel als andere?

Die Beantwortung dieser Frage ist weitaus schwieriger als gedacht. Viele Länder …

Fortsetzung folgt

(Aha)

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