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Es geht nicht nur um „Wasser“management

Vom 26. bis 31. August werden sich Entwicklungshelfer, Wissenschaftler und Politiker zur World Water Week in Stockholm treffen und über die wohl wichtigste Ressource sprechen: Wasser. Bereits in den letzten Monaten wurde deutlich, welchen Einfluss zu viel (Flut) oder zu wenig Wasser (Dürren, Buschbrände) auf uns Menschen hat. Die World Water Week könnte also eine Plattform bieten, auf der Themen wie Wassermanagement besprochen und eventuell sogar Entscheidungen getroffen werden (genaue Themen und mehr Hintergründe in „Feeding a Thirsty World“).

UN Experten forderten nun ebenfalls – anlässlich der World Water Week – die Einrichtung eines Beobachtungssystems für das Wassermanagement. Solch ein System könnte Indikatoren liefern, mit denen die gesammelten Daten aus Entwicklungsländern analysiert werden. So könnte, in Anbetracht der rapiden Bevölkerungszunahme und gleichzeitigen Urbanisierung, zukünftig eine Verbesserung des Wassermanagements herbeigeführt werden (siehe Alertnet).

Was die UN Experten fordern, ist eigentlich eine nachhaltige Wasserwirtschaft weltweit, denn schließlich wollen sie die Wasserversorgung heute als auch in der Zukunft mit dieser Maßnahme garantieren (siehe Definition auf dainet.org). Eine Idee, die ganz und gar nicht neu ist:

  • Das Deutsche Institut für Entwicklungspolitik führte unter anderem eine Studie über den Einfluss des Klimawandels auf grenzüberschreitendes Wassermanagement durch. Neben den Vorteilen eines grenzüberschreitenden Wassermanagements scheinen momentan nationale Eigeninteressen zu überwiegen, die langfristig einen Nachteil für die Bevölkerung herbeiführen könnten. Aufgrund des Klimawandels ändert sich die Verfügbarkeit und Menge an Wasser zeitlich und räumlich. Ein Wassermanagement, welches lediglich die eigenen nationalen Interessen verfolgt und keinen Blick auf die Entwicklungen des Nachbarlandes wirft, verliert somit den Überblick, welche negativen Folgen derzeitiges Wassermanagement eventuell auf zukünftige Generationen haben könnte. Migration aufgrund von Überflutung bzw. Verlust der Lebensgrundlage aufgrund von Meeresspiegelanstieg sind nicht mehr nur Zukunftsvisionen, sondern finden bereits jetzt statt (u.a. in Bangladesch und Kiribati). Durch die abnehmende Verfügbarkeit von Wasser in einigen Regionen, die sich zum Beispiel einen Fluss oder Gletscher teilen, steigt das Konfliktpotential in diesen Regionen rapide (wie u.a. am Tien Shan, siehe Kommentar vom 01. August). Es geht dabei vor allem um Wasser als Energieträger, zur Bewässerung und Ernährung.
  • Ein zusätzlicher Konflikt um fossile Brennstoffe könnte, laut der GTZ Studie „Climate Change and Security“, mit dem „Rückgang der Energieerzeugung aus Wasserkraft“ (GTZ, 2008, S.7) entfacht werden. Laut der Studie fehlen vor allem auch in urbanen Regionen (Adaptions-)Strategien bei Katastropheneintritt. Neben den gesundheitlichen Folgen aufgrund der Urbanisierung und der Ausbreitung von Slums, könnte vor allem die öffentliche Ordnung zusammen- und Chaos ausbrechen. Diese Vermutung wird durch derzeitige lokale Studien, u.a. von Farhan Anwar unterstützt (siehe auch Kommentar vom 14.August). Beide Studien zeigen, dass Strategien zur Behebung dieser Probleme bzw. Lücken fehlen.
  • Die Forderung nach einer nachhaltigen Wasserwirtschaft wird von Claudia Pahl-Wostl (NeWater, GTZ Workshop) noch präzisiert. Sie fordert einen Übergang des derzeitigen Wassermanagements hin zu adaptivem Wassermanagement. Sie fordert u.a.:
  1. neuen Perspektiven auf Probleme und erzielte Ergebnisse derzeitigen Wassermanagements
  2. Einbezug von direkt beteiligten/betroffenen Akteuren bei der Entwicklung, Implementierung und Überwachung von Bewirtschaftungsplänen
  3. Identifizierung von Hindernissen
  4. Entwicklung von verschiedenen Strategien (mit unterschiedlichen Szenarien)
  5. Beurteilung der Strategien in Anbetracht der möglichen Kosten um sie wieder rückgängig zu machen

Die bisherigen Studien und Ergebnisse fordern jedoch alle mehr Forschung und Sammlung von Daten zum Wassermanagement und –verbrauch, um lokale Strategien effektiv zu gestalten und einzuführen. Die Bedeutung von kulturellen, geografischen, politischen und religiösen Faktoren in den jeweiligen Regionen darf dabei nicht nur lokal betrachtet, sondern muss im Zusammenspiel mit benachbarten (internationalen) Gebieten gesehen werden.

Wenn die UN Experten solch ein Überwachungssystem des Wassermanagements einführen möchten, dann dürfen sie Faktoren wie nationale und internationale Interessen/Politik, Migrationsströme, Minderheitenpolitik, Wasserzugang für verschiedene Bevölkerungsgruppen, Tradition, Kultur, Religion, Bildung, Klimawandel und derzeitige und zukünftige Wirtschaft nicht vergessen.

Wenn es um Wassermanagement geht, geht es schon lange nicht mehr nur um das kühle Nass an sich, sondern auch um Politik und Macht.

(Aha)

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