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Stadtentwicklung

Städte im (Klima-)Wandel

Seit 2007 leben weltweit mehr Menschen in Städten als auf dem Land (siehe Spektrum.de). Vor allem in Entwicklungsländern steigt die Zahl der Stadtbewohner rapide (siehe Darstellung auf bpb). Im Vergleich zu den Industrieländern hat es vor allem in ärmeren und sich entwickelnden Ländern immer mehr Menschen seit 1950 in urbane Regionen gezogen (siehe Darstellung auf fifoost). Sie hofften, dort neue Einkommensquellen zu erschließen. Städte in Indien, Pakistan, Bangladesch, Argentinien, Brasilien und auf den Philippinen findet man plötzlich unter den Top 20 der bevölkerungsreichsten Städte weltweit (siehe weltbevoelkerung.de, genauere Daten und Länderprofile bei United Nations, Department of Economic and Social Affairs) .

Mit der Abwanderung vom Land, wo Dürren, Überflutungen und/oder Desertifikation die Lebensgrundlage gefährden, wollten viele dem Hunger und Wassermangel entgehen. Häufig fehlen ihnen jedoch finanzielle Ressourcen und die Zeit zum Planen, um eine tatsächliche Verbesserung ihrer Situation zu bewirken. Sie siedeln oft in Slums und in Außenbezirken der Stadt an, wo sie weder Land zum bewirtschaften, eine funktionierende Wasserversorgung noch sanitäre Anlagen vorfinden. Mit dieser Urbanisierung verstärken sich dadurch für den Menschen eigentlich die Folgen des Klimawandels.

Wie die neue Studie von Farhan Anwar am Beispiel Karachis (Pakistan) verdeutlicht, müssen Adaptions- und Minderungsstrategien für die Stadt mit mehr als 13 Millionen Einwohnern entwickelt und durchgeführt werden. Karachi liegt direkt am Arabischen Meer, und ist betroffen von

  • Meeresspiegelanstieg,
  • Überflutungen,
  • Dürren und
  • Urban Heat Island Effect (d.h. dass es in der Stadt deutlich wärmer ist als in der Umgebung, mehr dazu bei epa.gov).

Ohne die baldige und effiziente Entwicklung von Anpassungsmechanismen werden sich die Lebensbedingungen der Einwohner Karachis rapide verschlechtern. Karachi muss, wie viele weitere Städte, so bald wie möglich Strategien für den Umgang mit dem Klimawandel entwerfen!

Ein Beispiel von den Inseln der Camotes zeigt, wie schon heute Ortschaften auf die sich verändernden Umweltbedingungen eingehen (siehe The Inquirer). Die Orte sind von Dürren, dem Meeresspiegelanstieg, Überflutungen und Stürmen betroffen. Durch einen Mix aus Recycling, Kompost, freiwilligen Spenden für den Notfallfund bei Naturkatastrophen und der Bepflanzung von zuvor abgeholzten Gebieten konnte sich die Region erfolgreich selbst erhalten, trotz des wahrnehmbaren Klimawandels.

Für die Städte der Welt kann dies ein Beispiel für erfolgreiche Good Governance sein. Es sollte jedoch vermieden werden, die angewandten Methoden von den Inseln der Camotes einfach zu kopieren. Auf den Inseln der Camotes wurde eine Methode der Ureinwohner adaptiert und angewandt. Dadurch, dass sie allen Beteiligten wahrscheinlich bekannt war, wurde sie vermutlich auch schneller und leichter akzeptiert und durchgeführt.

Wenn der Klimawandel so fortschreitet wie bisher, mit zunehmenden Stürmen, Dürren, Überflutungen und Gletscherschmelzen, welche die Lebensgrundlage von Menschen gefährden, wird es immer mehr Landbewohner in Städte ziehen. Neben Anpassungsstrategien in der Stadt sind deshalb auch Adaptionsstrategien für das Land nötig. Auf dem Land leben Menschen, deren Qualifikationen und deren Können in der Stadt nicht optimal – wenn überhaupt – genutzt werden kann. Daher sollte man diese Fachkräfte besser direkt in die Entwicklung von Adaptionsstrategien für das Land mit einbeziehen, da sie die Probleme und Möglichkeiten auf dem Land am besten kennen. Gleichzeitig sollten Städte den Landbewohnern, die sich für ein urbanes Leben entscheiden, auch die Chance bieten, dort Arbeit (mit eventueller Umschulung) zu finden.

Bei der Entwicklung von Adaptionsstrategien für Städte sollte daher nie die Stadtumgebung und die Landwirtschaft vergessen werden. Nur eine Strategie, die urbanes und ländliches Leben im Kreislauf betrachtet und dabei auf die gegebenen Eigenheiten der Region (Geografie, Geologie, Klima, Tradition, Religion, Kultur, etc.) Rücksicht nimmt, wird dann auch mit höherer Wahrscheinlichkeit Erfolg haben.

(Aha)

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