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Eisschmelze

Der Klimawandel und Arktische Ureinwohner

Bereits seit Wochen ist die Arktis im Gespräch, wenn es um den Klimawandel geht.  Als Mitte Juli die Satellitenbilder um die Welt gingen, die zeigten, wie stark das Eisschild Grönlands innerhalb kürzester Zeit angetaut war, gingen allein bei der BBC über 700 Kommentare ein. Der User Dragonwight meinte zu dem Artikel und dem Fakt, dass Grönlands derzeitige Existenz gefährdet ist, dass der Mensch sich an den ständigen Wandel anpassen müsse und dabei versuchen sollte, so viele Arten wie möglich zu erhalten. Wenn die Menschen trotz des Wandels der Erde und des Klimas überleben wöllten, müssten sie sich technologisch angleichen. Sein Kommentar wurde von anderen Lesern nicht so hoch bewertet wie manch anderer, doch stellt sich hier für mich eine Grundfrage:

Zählen zu den verschiedenen Arten, die erhalten werden sollen, auch Kulturen, die davon bedroht sind aufgrund von Umweltveränderungen unterzugehen?

Bis vor kurzem wurde dieses Thema kaum angeschnitten. Häufig stand die Diskussion über neue wirtschaftliche Möglichkeiten in der Arktis im Vordergrund (u.a. im The Guardian am 31. Juli) und Grönland wurde von UNRIC sogar der wahrscheinlich erste unabhängige Staat der Urvölker genannt. (Derzeit bekommt Grönland noch finanzielle Unterstützung von seinem „Mutterland“ Dänemark.)

Der Artikel „Alaskan Arcitic villages hit hard by climate change“ von Juliet Eilperin in „The Wahington Post“ wirft nun jedoch ein anderes Licht auf den Klimawandel. In ihrem Artikel illustriert sie,

  • wie stark die Nahrungsgrundlage der heimischen Inuit bereits jetzt gefährdet ist,
  • wie sehr Orte an der Küste von immer stärkeren Stürmen betroffen sind und
  • wie der Boden mancher Dörfer bereits wegzuschmelzen beginnt.

Der Grund für diese Auswirkungen ist nicht nur der Klimawandel sondern auch die Offshore Entwicklung.

Orte stehen vor der Wahl entweder

  1. so viele Adaptionsstrategien wie möglich zu entwerfen, damit sie ihr Zuhause nicht verlassen müssen, oder
  2. ihre Heimat zu verlassen und sich als Dorfgemeinschaft gemeinsam an einem anderen Ort niederzulassen (also eine Umsiedlung) oder
  3. die kulturellen Wurzeln gänzlich aufzugeben und in andere (meist städtische) Gegenden zu migrieren.

Förderung oder Kompensation von staatlicher Seite gibt es bisher anscheinend nicht.

Wirtschaftlicher Fortschritt mit Großinvestitionen von internationalen Unternehmen scheinen auch hier nicht im Einklang mit dem Interesse der Ureinwohner zu stehen (siehe u.a. das Beispiel Staudammbau „Noch mehr Dämme“). Die Frage ist, ob Staaten, Firmen und internationale Organisation aus den bisherigen Erfahrungen weltweit gelernt haben und das Potential, welches sie aus dem jahrhundertealten Wissen der Ureinwohner schöpfen könnten, nutzen werden. Um das zu tun, müssen Richtlinien für Best-Practice entwickelt werden, die Interessen, Wissen und Kultur der direkt Betroffenen von Beginn der Projektplanung an einbeziehen. Die Kommunikationsstrategien sollten hierbei die Kultur der Ureinwohner berücksichtigen und im besten Fall deren Entscheidungsmechanismen mit dem Einverständnis aller adaptieren.  Wenn die Arktis von seinen Ressourcen wirtschaftlich profitieren möchte bzw. soll, dann müssen die Entscheidungsinstanzen in den direkten Dialog mit den Ureinwohnern treten (ohne ihnen die Dialogbedingungen vorzugeben) und ihnen auch die (finanzielle) Möglichkeit eröffnen ihre jahrhundertealte Kultur zu erhalten.

Ohne diese Grundvoraussetzungen ist es meiner Meinung nach nicht möglich, dass diese zwei so unterschiedlichen Seiten – wirtschaftlicher Aufschwung vs. kultureller Erhalt – zusammenfinden und konfliktfrei in die Zukunft schreiten. Denn andernfalls wird wahrscheinlich eine der beiden Seiten verlieren und verschwinden. Aufgrund der bisherigen Vergangenheit glaube ich nicht, dass es die wirtschaftlichen Unternehmen sein werden.

(Aha)

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Diskussionen

Ein Gedanke zu “Der Klimawandel und Arktische Ureinwohner

  1. I am actually pleased to glance at this weblog posts which consists of tons of useful data, thanks for providing
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    Verfasst von ig | August 13, 2012, 10:17 am

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