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Allgemeines, Internationale Konflikte, Staudammbau

Nur eine Frage der Zeit …

© Sascha Wiener

Am 29. Juli veröffentlichte das „Nature Climate Change Journal“ eine Studie über die Gletscherschmelze und den Wasserhaushalt am Tien Shan (Zentralasien)  (u.a. berichteten Der Tagesanzeiger und die NZZ). Die fünf anliegenden Länder (Kirgistan, Kasachstan, Usbekistan, Turkmenistan und China) werden zukünftig mit erheblichen Veränderungen des verfügbaren Wassers im Sommer und Winter rechnen müssen, da sich der Gletscherabfluss auf den Winter und frühen Frühling verschieben wird (vorher: Frühling/Sommer). Bereits jetzt ist der Gletscher um mindestens 50% zurückgegangen.  Der Wasserhaushalt, der auf der Schneeschmelze des Gletschers basiert, wird zukünftig auf den Niederschlagsmengen beruhen. Aufgrund der veränderten Wetterzyklen und Gletscherschmelze wird es voraussichtlich vermehrt zu Dürren, Hungersnöten und niedrigem Wasserstand der Flüsse kommen. Der anliegende Aralsee trocknet schon seit Jahren aus, da das verfügbare Wasser durch die bestehende Bewässerungswirtschaft vom See weggeleitet und somit nicht mehr natürlich zugeführt wird. Hinzu kommen Bevölkerungswachstum und Urbanisierung in der Region rund um den Tien Shan.

Es ist Fakt, dass die Region zukünftig mehr Wasser braucht! Der Bau von Staudämmen an den Oberläufen der Flüsse soll die Lösung sein. Eine Lösung, die nicht nur für die Umsiedelung von Menschen sorgen sondern auch Konflikte und Kriege zwischen den Ländern auslösen könnte!

© Sascha Wiener

Gletscherschmelze, Dürren, veränderte Wetterzyklen und Staudämme: Sie alle werden dafür sorgen, dass Menschen schon deshalb über die Migration nachdenken werden, um in anderen Regionen fruchtbarere Böden und/oder Arbeit finden zu können.  Doch Wasser und Gletscher gehören nicht nur einem Land, sobald sich mehrere Länder u.a. Flussläufe teilen, beginnt der Streit ums Wasser, wie auch im Tien Shan. Die Berliner Morgenpost veröffentlichte gleich einen Tag nach der Studie, am 30. Juli, einen Artikel über die bisherigen und noch möglichen Auswirkungen des Süßwassermangels weltweit (z.B. in Äthiopien, Israel, Vietnam und dem Irak). Konflikte über den Zugang zu Wasser haben schon jetzt begonnen! Der Krieg ums Wasser steht zwar noch nicht vor der Tür, ist aber auf dem besten Weg dahin!

Die derzeitigen Dürren weltweit, wie in Indien, den USA, Südeuropa und Afrika, scheinen die Menschen schon jetzt mehr darüber nachdenken zu lassen, wie wir zwar nicht mit Wasser dafür aber mit dem Klimawandel umgehen sollten:

  • Bestehende Pläne werden diskutiert, wie z.B. der Odisha Climate Change Action Plan in Indien,
  • Best-Practice-Beispiele für die gemeinsame Planung von Staudämmen zwischen Staaten werden diskutiert (siehe Berliner Morgenpost) und
  • James O’Dea vergleicht im Huffington Post die Verleugnung bzw. Ignorierung des Klimawandels sogar mit kriminellen Handlungen. Seiner Meinung nach handelt jeder, der trotz vorhandener Informationen über die Folgen des Klimawandels Entscheidungen fällt, welche diesen ignorieren, bzw. wer nichts gegen den Klimawandel tut, grob fahrlässig und daher kriminell.

Von dieser Entwicklung des Umdenkens könnten die Menschen der Länder des Tien Shan profitieren – wenn die Regierungen nicht nur ihre eigenen Interessen verfolgen.

Doch das Bewusstsein für die möglichen weiteren Konsequenzen des Klimawandels scheint schon bei einer breiteren Bevölkerungsgruppe gestiegen zu sein. Schlagworte wie Krieg ums Wasser, nachhaltige Nutzung der Rohstoffe und kooperative überstaatliche Lösungen finden sich immer häufiger in den Medien.

Vielleicht ist das nicht nur ein kurzfristiger Trend.

Vielleicht führt das sogar zum Umdenken im Umgang mit Ressourcen und zum Umdenken wie wir diese zukünftig  mit anderen teilen wollen – auf friedliche Art und Weise.

Vielleicht, aber sicher ist noch nichts.

Denn solange Zusammenkünfte wie Rio +20 lediglich zu vagen Äußerungen wie „Wir sind uns darüber bewusst…“ aber zu keinen konkreten Handlungsvorschriften führen, hängt jede Lösung vom Willen des Einzelnen ab (siehe Kommentar auf umweltmigration.org). Solange es keine international bindenden Regelungen gibt, werden die meisten Entscheidungen weiter so gefällt, dass sie den eigenen (meist wirtschaftlichen) Interessen bestens dienen. Internationale Verträge könnten hier helfen, jedoch nur, wenn sie nicht nur Absichten sondern auch einklagbare Verpflichtungen beinhalten!

(Aha)

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