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Staudammbau

verDAMMte Zukunft

Dämme sollen die Zukunft sein, schließlich produzieren sie Energie ganz ohne unerwünschte Abfallstoffe. Mit Abfallstoffen werden hier natürlich all jene gemeint, welche die Natur nicht belasten (wie es zum Beispiel bei der Atomenergie der Fall ist). Diese Stoffe kann man auch naturwissenschaftlich erforschen und Methoden finden, um sie zu minimieren. Nur die „Abfallstoffe“, welche sozial-emotional sind, werden immer häufiger von denjenigen, die entscheiden, zur Seite geschoben und als unwichtig erachtet. Denn diese sozial-emotionalen Faktoren könnte man schließlich gut mit Argumenten wie „neue Arbeitsplätze“, „Verringerung des Hungers“ und „wirtschaftliche Entwicklung des Landes“ abspeisen.

Doch die sozial-emotionalen Faktoren lassen sich immer weniger unterdrücken, wie auch ein aktueller Vorfall in Thailand gezeigt hat. Dort planen Dörfer aus 8 verschiedenen Provinzen am Mekong gegen die Regierung zu klagen.

Die Regierung plant den Bau des Dammes Xayaburi im benachbarten Laos. Dieser neue Staudamm soll bis zu 95% der produzierten Energie nach Thailand exportieren. Laos verspricht sich dadurch einen wirtschaftlichen Aufstieg, während Thailand so seinen Energiehaushalt sichern will (obgleich höchstens 6% des Energiebedarfs damit gedeckt werden könnten). (siehe „Thai villagers to fight Lao Mekong dam in court“ auf eco-business.com)

Der Xayaburi Damm könnte verheerende Auswirkungen auf die Fischerei, Landwirtschaft und die Lebensgrundlage von Millionen Menschen, die am Mekong leben, haben. Bereits jetzt kommt es aufgrund der bestehenden chinesischen Dämme zu Fisch- und Ernteausfällen. Der Mekong fließt durch 6 Staaten Asiens, zwei Nachbarstaaten hat Laos mit dem geplanten Bau mehrerer Dämme bereits verärgert. Kambodscha und Vietnam fürchten bereits jetzt die möglichen negativen Folgen für ihr Land.

Eine Wasser- und Flussregelung, wie sie zwischen Indien und Pakistan seit den 1960er Jahren besteht, gibt es hier nicht. Ob diese Regelung jedoch etwas geändert hätte, ist fraglich. Denn schließlich kommt es auch zwischen Pakistan und Indien seit den 1990er Jahren zu Streitigkeiten, da Indien den Bau eines Dammes plante, der den Wasserzulauf des Indus in Pakistan erheblich verändern könnte. Der in den 1960er Jahren geschlossene Vertrag verbot den Bau von Ablaufschleusen. Indien jedoch argumentierte, dass die neuen Dämme diese Schleusen nicht hätten und daher würden sie nicht gegen das bestehende Abkommen verstoßen. Die Dämme wurden gebaut. (siehe The National, The New York Times und Time World)

Vor allem die Lebensgrundlage und das Land der Ureinwohner selbst werden durch den Bau von Staudämmen zerstört. Völker des Amazonas protestieren schon seit Jahren gegen den Bau des Belo Monte (im Nordwesten Brasiliens). Bereits in den 1980er Jahren sollte dieser Damm gebaut werden, gestoppt wurde er erst in letzter Sekunde. Das Projekt, von dem sich Brasilien den wirtschaftlichen Aufschwung verspricht, blieb weiter im Gespräch. Nun soll es wieder verwirklicht werden und weltweit demonstrieren Menschen bereits gegen den Bau dieses Dammes (z.B. auf amazonwatch.org). (siehe survivalinternational.de, BBC News und HuffingtonPost)

Die erwähnten Dämme gefährden nicht nur die Lebensgrundlage der Völker, die direkt am Fluss wohnen, sie sorgen auch oft dafür, dass gesamte Dörfer umgesiedelt werden müssen. Um einen Damm zu errichten werden Regionen großflächig geflutet – Regionen, in denen zuvor fast immer Menschen wohnten.

Den Menschen, die umgesiedelt werden müssen, wird – im besten Fall – eine materielle Kompensation angeboten. Selten können sich die Menschen damit jedoch etwas Vergleichbares zu ihrem vorherigen Lebensstandard aufbauen. Über Emotionale Kompensation – wie die ausschauen soll, ist fraglich – machen sich diese Initiatoren solcher Projekte auch (besser) keine Gedanken.

Die jüngste Vergangenheit zeigt jedoch, dass sich Großprojekte der Bewertung eines größeren und weiteren Publikums stellen müssen. Heutzutage zählt nicht mehr nur der wirtschaftliche Faktor, sondern es werden – zum Glück – auch die Nebeneffekte betrachtet! Wie Konzerne und Politik damit umgehen, das bleibt abzuwarten. Denn aufgeschoben (aufgrund von Protesten oder Rechtsklagen) ist leider nicht gleich aufgehoben.

(Aha)

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